Teil 1: Der Partner
Von wem möchte ich bei der Geburt meines Babys begleitet werden und warum? Dies ist eine wirklich wichtige Frage. Und es lohnt sich, die Gefühle aller Beteiligten dabei möglichst genau zu betrachten. Tut man es nicht, kann dies hinterher während der Geburt problematisch werden: Wenn die Gebärende sich unwohl fühlt, nicht entspannen kann – zum Beispiel weil sie mit der Anwesenheit einer Person doch nicht klar kommt – beeinflusst dies drastisch den gesamten Geburtsverlauf.
Heute ist es so üblich geworden, dass der Partner (sofern vorhanden) mit bei der Geburt des Babys dabei ist. Das ist zweifellos für die meisten Paare besser als die vorangegangene Regelung, bei der der zukünftige Vater nicht in den Kreißsaal durfte. Auch hier aber gilt zu prüfen: Wollen wirklich Beide, dass dies so ist? Der Partner muss sich auch frei fühlen, nein sagen zu können, wenn er denkt, der Situation nicht gewachsen zu sein. Deshalb ist es ganz wichtig, dass das Paar offen darüber reden kann, wer welche Ängste vor der Geburt hat und wie sich die Frau und der Mann die Geburt vorstellen und welche Rolle beide für den Mann bei der Geburt sehen. Dies schafft viel Klarheit. Denn die Aufgabe, Rolle und Verantwortlichkeit des Partners bei der Geburt ist meist das unklarste und belastendste Thema für den Mann. Hier kann der gemeinsame Geburtsvorbereitungskurs sehr gut helfen, ein offenes Gespräch mit einem anderen Vater, ein klärendes Gespräch mit der Hebamme oder ein Termin bei einer Schwangerschaftsbegleiterin. Dann kann sich auch der Partner angemessen auf die Geburt vorbereiten, seine Gefühle dazu erforschen und sicher entscheiden, ob und wie er anwesend sein will.
Ist dies nicht das erste Kind, so ist die Frage der Begleitung gleich schon eine andere – dann nämlich geht es zusätzlich auch noch um die Frage, wer das / die älteren Kind/er betreut und der Vater steht zusätzlich vor der Entscheidung, ob er diese Zeit mit der Frau und dem neuen Baby oder dem älteren Kind verbringen möchte, wo seine Anwesenheit wichtiger ist.
Dass gerade für die Paarbeziehung eine innige offene Kommunikation dieses Themas elementar wichtig ist, liegt auf der Hand. Aber auch noch so kommunikative Paare können in die Falle tappen, dem anderen zu liebe ja zu sagen – ihn / sie nicht verletzen zu wollen. Es spricht nichts dagegen, dass dieser Wunsch ein wichtiger Faktor für die Entscheidung ist. Aber vertuschte Gefühle und mangelnde Klarheit in der Motivation und Gefühlslage können hinterher bei der Geburt eskalieren. Müssen nicht, aber können. Da jede Schwangere zu Recht das Bestmöglichste Geburtserlebnis möchte, wäre es fahrlässig, hier die Augen zu verschließen und es zahlt sich aus, den eigenen – noch so widersinnigen – Gedanken nachzugehen. Habe ich Angst, dass es unsere Beziehung oder Sexleben belasten wird, habe ich Angst, dass mein Partner stört / mich nicht stärkt / mich bewertet / mit leidet, wenn er die Wehen erlebt? Was kommt mir in den Sinn, wie stelle ich mir die Situation vor. Erforsche es erst für dich alleine oder mit einer/m Unterstützer/in und erst dann mit deinem Partner zusammen. Es ist nämlich möglich, dass diese Ängste gar nicht deinen Partner direkt betreffen, sondern sich eben nur daran befestigen. Wenn du denkst, dass du dies auch mit deinem Partner besprechen kannst, ohne dass dieser sich durch deine Angstvorstellung verletzt und missverstanden fühlst – was eine normale Reaktion wäre – kannst du es natürlich tun. Das hängt natürlich stark mit eurer Art und Weise der Kommunikation zusammen.
In der Regel werden Partner, die sehr im Schwangerschaftsgeschehen involviert waren, sich tief emotional beteiligt sind, auch bei der Geburt logischerweise dabei sein wollen. Da dann die emotionale Nähe besteht, und der Vater bereit ist, sich informiert und aktiv zu beteiligen gibt es dort selten Konflikte. Was nicht heißt, dass die Partner es zwingend als einfach empfinden, bei der Geburt dabei zu sein. Je mehr der Vater sich in die Situation und seine Partnerin einfühlen kann umso erfüllender wird das Geburtserlebnis – bei einer normalen, komplikationslosen Geburt – meist wahrgenommen.
Dies bedeutet aber auch, dass der Partner dann nicht gleichzeitig auch noch die Rolle des Anwalts der Frau übernehmen kann. Beide Rollen gleichzeitig ausfüllen zu wollen: der liebevolle Unterstützer und Beteiligte des Geburtsgeschehens sowie der Verteidiger, der aus der Distanz heraus einen Blick auf die Dinge hat und die Vorstellungen und Wünsche eventuell gegen das Krankenhauspersonal durchsetzt, passt sehr schwer zusammen. Es ist ein lösbares Dilemma, viele Männer können den Mittelweg finden, hin und her pendeln zwischen den extremen und oft gibt die äußere Situation vor, welche Rolle gerade wichtiger ist. Einfacher ist es natürlich, wenn die Rolle des Verteidigers / Anwaltes gar nicht erst benötigt wird oder eine weitere Person zur Verfügung steht.
Empfehlenswert ist für die Paare meistens auch, sich den Gebärraum ihrer Wahl vorher nochmals genau anzusehen. Auch wenn es vielleicht peinlich anmutet, probieren sie ruhig in diesem Raum schon einmal ein oder zwei Gebärstellungen mit ihrem Partner zusammen aus. Leichter fällt diese natürlich in dem Rahmen eines Geburtsvorbeitungskurses, aber nicht alle Kurse bieten dies an. Das Ausprobieren kann ihnen viele innere Fragen und Unklarheiten nehmen, sie können sich allein durch dieses simple So-tun-als-ob besser vorbereitet fühlen und auch die Geburt besser visualisieren. Es kann sich anfühlen, als ob die Geburt ein Geheimnis weniger für sie bereithält. Aber es bleiben noch genügend übrig, die sie dann in erster Linie mit ihrem ganzen Körper und ihrem Baby und erst in zweiter Linie mit dem Partner zusammen (oder mit einer anderen Person ihrer Wahl) erleben werden.
Fortsetzung folgt:
Teil 2: Warum Begleitung?






