Eine Antwort auf einen diestandard-Artikel von Ina Freudenschuss

„Bei der Glorifizierung der „weiblichen Natur“ wird nämlich nicht mitgedacht, dass Frauen über Jahrtausende gerade wegen ihrer Fähigkeit, Leben hervorzubringen, als „näher zur Natur“ klassifiziert und geächtet wurden“.

Frau- Natur
Ina Freudenschuss kritisiert in dem Artikel, die Verbindung von Frau und Natur in der alternativen Geburtshilfe, mit oben zitierten Äußerungen. Mir ist durchaus klar, dass die These, die Frau stünde der Natur näher ein Argument ist, dass das klassische Patriarchat seit ein paar tausend Jahren gerne verwendet.

Aber ich sehe darin keinen Grund, Natur und Frau strikt voneinander zu trennen. So verstehe ich nämlich diese Hinweise. Natur und Weiblichkeit zusammen ist reaktionär, diese Verbindung ist nicht hilfreich. Ist sie nicht? Wir sind Teil der Natur und gebären ist ein natürlicher, geradezu ein tierischer, Prozess.

Das Bild wird dann schief und ungerecht, wenn die Gleichung heißt FRAU IST NUR NATUR und NUR FRAU ist NATUR. Das ist nämlich schlicht und ergreifend Unfug. MENSCH ist NATUR, Mann ist Natur, Frau ist Natur, Kind ist Natur. Und Frau ist noch so viel mehr. Frau ist nicht nur Mutter. Nicht immer Mutter, nicht jede Frau ist Mutter. Frau ist und bedeutet so viel mehr. Und ich stimme Ina Freudenschuss zu, wenn ich Frau nicht auf Natur reduziert sehen will (oder wenn dann in dem Sinne, dass wir alle gewissermaßen Natur sind). Das Hinzufügen von Gegenüberstellungen wie Frau Natur – Mann Kultur das ist es, was die Probleme verursacht. Diese viel zu stark vereinfachte, eingeschränkte dualistische Sichtweise. Aber die ist doch nicht automatisch vorhanden, wenn man sich mit den natürlichen Aspekten der Geburt befasst.

Frauen gebären
Aber ehrlich gesagt, kann ich ansonsten den Ausführungen nicht folgen. Ich lese dort die Forderung: „in Anfang wäre schon einmal damit gemacht, Schwangere nicht mehr in erster Linie als Gattungswesen anzusprechen“ und eben nicht auf die Natürlichkeit der Geburt hinzuweisen.

Hallo? Frauen gebären, Männer nicht. Das ist eine der wenigen elementaren Geschlechtsunterschiede. Das ist keine Sozialisierung, kein Gender, das ist biologische Realität. Und es ist biologische Realität, dass der weibliche Körper fähig ist, zu gebären – darauf vorbereitet ist. Der männliche nicht. Logisch, oder? Ich sprach hier nur von Gebären, nicht davon, Vater oder Mutter zu sein – da gibt es für beide auch biologische Hilfen, wobei die stillende Mutter tatsächlich etwas im Vorteil ist. Aber dies zu negieren ist nicht hilfreich. Was nicht ins Bild passt, kann nicht sein?

Es ist doch das patriarchale Argumentations- und Bewertungssystem, dass das Problem erschafft, nicht die Realität. Ich kann doch nicht die Fakten negieren oder wegsehen, nur weil man diese für abstruses Wertegebäude und vorhandene Machtstruktur missbrauchen kann. Die Kraft und Ermächtigung die im Erleben dieser natürlichen Körperfähigkeit liegt, deshalb zu tabuisieren oder nicht zu benutzen, weil man sie patriarchal missdeuten könnte, ist nicht im Sinne der Frauen. Das hieße, eigene vorhandene, reale Kräfte und positive Aspekte zu übersehen, zu negieren, eine weitere Trennung vom eigenen Körper. DAS ist ein Einfügen ins Patriarchat.

Ich soll jetzt laut Autorin die Schwangeren und Gebärenden nicht als Frauen sondern als Menschen sehen. Menschen, gerne. Aber trotzdem verstehe ich diese Logik nicht. Frauen sind Menschen (ja mir ist bewusst, dass dies auch der Autorin klar ist). Und um zu gebären ist ein gewisses Maß an Körperwahrnehmung, Körperbewusstsein, im-Körper-wohnen, dem Körper vertrauen extrem hilfreich. Gebären ist weiblich. Das ist mal keine Allegorie, kein Bild, keine Zuschreibung. Wenn ich jetzt diese Kraft als allgemein menschlich betrachte – ich kann sie gern auch als tierisch betrachten – dann ist das aber nicht gerade eine Frauen-ermächtigende Perspektive. Natürlich kann jede diese Perspektive wählen, wenn sie sich dadurch ermächtigt und geholfen fühlt. Aber als generellen Ansatz finde ich das höchst fraglich. Wobei ich neugierig genug bin, mir das in der Praxis anzuschauen, wenn eine was weiß, was ich nicht weiß oder das irgendwie verstanden hat. Wo bitte ist jetzt da der ermächtigende und körperorientierte Ansatz?
Gerade, wenn nicht die Kraft, die Erfüllung all dieses Positive in der Geburt gesehen, gesucht und erlebt wird, dann sind wir doch wieder bei: ist doch nur ein natürlicher Prozess, dem wir nicht so viel Aufmerksamkeit schenken sollten, oder nicht? Und das ist natürlich=minderwertig, das ist patriarchal. *

Nein, wenn frau ein Kind bekommt, ist es nicht die alternative Geburtshilfe, die die reaktionären Vorstellungen hat. Ina F. schreibt, es sei nicht einzusehen, „sich einem unreflektierten Natur-Begriff zu unterwerfen, nur weil sie ein Kind bekommen“.
Frau kann völlig problemlos glücklich und ermächtigend ihr Kind zur Welt bringen, ohne der Naturromantik zu folgen oder sich an indigenen Kulturen zu orientieren.
Aber glücklich und selbstbestimmt kann sie ihr Kind nur zur Welt bringen, wenn sie sich der Natur ihres Körpers und der Natur der Geburt unterwirft. Loslässt. Der Natur ihren Lauf lässt, in ihrem Körper ist. Oder aber wenn sie dies nicht will, einen geplanten Kaiserschnitt hat- aber dass das dann ermächtigend ist, muss mir erst noch bewiesen werden.

Jede gute Hebamme und jede gute Doula versucht, der Frau genau dort abzuholen und zu betreuen, wo die Frau ist. Natürlich hat jede von uns ihre eigenen Ansichten, aber eine Klientin umkrempeln, das gibt es nicht. Wenn eine Hebamme / Doula merkt, dass die Frau eine andere Grundansicht hat und die Hebamme / Doula damit nicht umgehen, dann ist das einzig richtige, eine Kollegin zu empfehlen. Von daher empfinde ich den Artikel weder als richtig noch als hilfreich, sondern als pauschalisierend bis diffamierend.

*Fairerweise muss ich zugeben, dass es ja noch einen Mittelweg gibt, bei dem die Geburt nicht so gigantisch positiv gesehen wird, aber auch nicht als minderwertig. Wenn dies für die Frauen ein gutes Gefühl ist, so ist da natürlich nichts gegen einzuwenden und ich glaube, ich kenne solche Frauen auch, die damit glücklich sind. Aber dieser Mittelweg ist im Patriarchat genauso missdeutungs gefährdet, wie die anderen auch. Und: wir brauchen die Wahlfreiheit. Jede Frau hat eine andere Perspektive. Weshalb ich diese Art der Diskussion / Kritik über Natürlichkeit hin oder her in diesem Fall nicht hilfreich finde.

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