Ich bin schwanger, was darf ich – was muss ich?

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Was darf ich essen  – oder warum Essens-Verbote schlecht für die Schwangere sind

Nicht nur google weiß, dass die häufigste Frage von Frauen, die gerade schwanger geworden sind lautet: Was muss ich beachten? Was darf ich essen, was muss ich seinlassen. Das Internet und die Foren sind voll davon (Darf ich fliegen, Nagellack benutzten, Haare färben, …)

Der Grund ist klar: Die Frau möchte sich informieren und selbstverständlich das neue Leben in ihr unterstützen und nicht gefährden. Eine wunderbare Motivation. Zusätzlich ist für Schwangere gefühlte Sicherheit ganz wichtig. Auch völlig klar und wichtig.

Nur: Die Listen widersprechen sich, reichen von 3 Einschränkungen bis zu 100.

Die Essensliste ist ein gutes Beispiel. Welche Lebensmittel darf sie nicht essen? Die Antwort ist nicht wirklich eine medizinische. Es ist eine kulturelle. Und das wird oft vergessen.

 

Jede Kultur hat ihren eigenen Konsens darüber, was eine Schwangere darf und was von ihr erwartet wird.

Die deutsche Kultur ist eine sehr sicherheitsbedachte Kultur, die den Fokus auf potentielle Risiken legt. Risiken, die andere Kulturen, nicht als solche einstufen.

Beliebte Argumente und Listenpunkte sind: kein roher Fisch -Risiko wegen Salmonellen
In Japan schwört man darauf, dass roher Fisch gesund für Mutter und Kind sind und die Schwangere ihn braucht.
Keine Salami und Rohmilchprodukte. Risiko Listerien
Glauben Sie ernsthaft Schwangere in Italien, Spanien und anderen Ländern würden Salami und Morzarella und Co komplett von ihrem Speiseplan streichen? Natürlich nicht.

Es gibt Essenshinweise für Schwangere, die raten zum Verzicht auf Honig. Denn Honig ist ein unbehandeltes Naturprodukt. Und hat übrigens heilende Eigenschaften, diese Logik ist nur schwer nachzuvollziehen.

 

Die Beurteilung dessen, was gesund oder potentiell risikoreich ist, ist sowohl individuell als auch kulturell extrem unterschiedlich. 

Schön zu lesen zu diesem Thema ist übrigens dieser Blogpost (auf englisch) von einer Frau, die in vier verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten schwanger war und einiges dabei erlebt hat: http://www.mindbodygreen.com/0-14653/7-things-ive-learned-from-being-pregnant-in-4-countries.html

Stichwort Listerien: „Mit einigen hundert Erkrankten pro Jahr gehört die Listeriose zu den selteneren Lebensmittelinfektionen des Menschen.“ Bundesinstitut für Risikobewertung. Salmonellen hingegen sind deutlich weiter verbreitet. Hauptursache sind aber fehlende Kühlung (vor allem von Hühnern und Hühnerprodukten) sowie mangelnde Hygiene in Großküchen. Salmonellen sind zwar eine eher häufige Erkrankung (die aber auch in den letzten Jahren deutlich abnimmt) aber mal die Gegenfrage für eine andere Risikosicht: Wann oder wie oft hattest Du schon Salmonellen?

In diesem Artikel geht es nicht aber darum, dass du alle Vorsicht über Bord werfen sollst. Natürlich ist die Sicherheit von Mutter und Kind immer oberste Priorität. Und es geht auch nicht darum,  zu empfehlen, täglich 2x  Sushi und Salami zu essen und dazu Rohmilch oder Wein zu trinken :)  Sondern es geht darum, eine andere Sichtweise aufzuzeigen und zu zeigen, dass wir hier in Deutschland eben alle überall das Augenmerk Risiko sehen und schon bei einem geringen Risiko handeln.

 

Warum solche Einschränkungen Schwangeren auch schaden können
Und das hat einen Nachteil – gegen den es kein Medikament gibt: Wenn wir immer nur auf das Risiko schauen und dies immer überall Handlungsleitend werden lassen, sorgt das für das Gefühl der Unsicherheit und Gefahr. Kombiniert mit dem Eindruck, es Experten überlassen zu müssen und dass es nur einen einzigen richtigen Weg gibt, die Dinge anzugehen und zu sehen (und alles andere Lebensgefährlich wäre). Diese Sichtweise erzeugt Angst, Unsicherheit und Unmündigkeit und ist unsere Hauptsichtweise auf Schwangerschaft – und entspricht nicht der Wahrheit. Dabei möchte doch jede Schwangere sich sicher fühlen. Und für die Geburt braucht die Schwangere Vertrauen, Eigenverantwortung und Körpergefühl. Und genau diese Qualitäten werden in der Schwangerschaft durch diese Sichtweise boykotiert.

 

So was bedeutet das jetzt also konkret für dich?
Lass Dich nicht verrückt machen. Finde heraus, womit Du dich gut fühlst. Finde den Konsens zwischen Bauchgefühl und den Informationen. 
Für Deine schöne Schwangerschaft ist es wichtig, dass Du dich nicht von den sich widersprechenden Expertenmeinungen verunsichern lässt – einige Schwangere verzichten deshalb auf jegliche Lektüre (um ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen). Andere lesen nur spezielle Veröffentlichungen (von Experten, von denen Sie denken, dass sie auf ihrer Linie liegen). Es ist relevant, wie man sich fühlt, wenn man etwas liest.  Wenn du merkst, du fühlst dich schlecht, wenn du etwas liest, dann frage dich, was dir dein Gefühl sagen will: Macht dir der Artikel Angst? Und wenn ja warum? Ganz ehrlich, du musst nichts lesen, was Dir Angst macht. Zwar sollte man seiner Angst nicht davon laufen, aber man muss sich auch nicht quälen, irgendetwas zu lesen, nur weil es geschrieben wurde.

Deine Gefühle, deine Bedürfnisse und deine Meinung sind relevant. Nimm dich ernst.

Und was nun essen? Nun, das musst Du entscheiden. Du kannst die Lebensmittel, die man hierzulande als gefährlich betrachtet reduzieren oder auf sie verzichten. Und dich von deiner inneren Überzeugung führen lassen, wie Deine gesunde Ernährung aussieht. Denn gerade bei Ernährung scheiden sich ja schon im nicht-schwangeren Zustand die Geister. Gesunde Ernährung sollte Spaß machen und lecker sein und kein Minenfeld sein.

Viel Spaß!

Schwangerschaftbegleiterin. Ich helfe Dir, eine positive, grandiose Schwangerschaft und Geburt zu erleben.

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