Wehen sind wie..

(Teil 1)

Ja wie sind Wehen denn? Jede Erstschwangere möchte es wissen und doch gibt es keine wirklich befriedigende Antwort, wie die meisten bald herausfinden.
Der Grund dafür ist einfach, für jede Frau sind die Wehen anders. Aber natürlich gibt es trotzdem mehr über die Wehen herauszufinden, auch wenn keine sie wirklich vorher spüren oder erleben kann.
Also, wie sind Wehen?

Wehen sind wie Menstruationsschmerzen
Ja, Wehen haben Ähnlichkeiten mit Menstruationsschmerzen. Vor allem die ersten Wehen.
Als meine ersten Wehen kamen – es waren noch Vorwehen – aber die Eröffnung der Geburt – dachte ich „Na das hätte mir ja auch jemand mal sagen können, dass Wehen einfach Menstruationsschmerzen sind“. Frauen die starke Menstruationsschmerzen kennen, werden vermutlich einen Wiederekennungseffekt erleben, wenn die Wehen kommen. Aber Sie wissen ja: Nur vielleicht, denn jede Frau nimmt Wehen anders wahr. Dazu gleich mehr.
Die Mitteilung, dass Wehen Menstruationsschmerzen sehr ähneln können, ist aber vielleicht nicht unbedingt beruhigend und wahnsinnig aussagekräftig ist es auch nicht: Es gibt schließlich Frauen, die erleben hin und wieder unaussprechliche Schmerzen, die sie fast ohnmächtig werden lassen, und manche erleben nur ein leichtes Ziehen. Und beides sagt natürlich nichts über die Stärke der Wehen aus.


Wehen sind schrecklich

Nun ja – also so richtig Spaß oder lustig sind Wehen nicht. Und in einem Kreis aus Frauen findet der Satz „Wehen sind schrecklich“ oder waren schrecklich, meist sehr große Zustimmung. Wehen können schrecklich sein. Sie können absolut horrormäßig sein. Das stimmt. Aber es ist kein Naturgesetz, dass Wehen schrecklich sind. Es ist aber auch keine Schwäche der Frauen, die sie Wehen als schrecklich erleben lassen – im Gegenteil die Frauen beweisen ja eine übermenschliche Stärke, gerade wenn sie sie als schrecklich erleben.

Wehen sind intensiv
Auf jeden Fall. Egal, wie die Wehen nun genau wahrgenommen werden, „intensiv“ sind sie immer. Nur ist es schwer vorstellbar, wie intensiv. Intensiv kann auch recht lapidar verstanden werden. Der Geburtsvorgang ist aber einfach das anstrengendste im Leben einer Frau überhaupt. Also sehr intensiv. Noch intensiver. So sehr, wie man es sich vorher nicht vorstellen kann.


Wehen sind schnell vergessen

Ja das stimmt oft. Aber auch nicht immer. Es gibt viel zu viele Frauen, die unter ihrem Geburtserlebnis leiden, die es nicht einfach vergessen und gut ist es. Das Besondere an den Wehen ist aber ja doch, dass sie dem Baby auf die Welt helfen und die Unmengen an Hormonen, die der Körper frei setzt und die Freude darüber, dass Baby im Arm zu halten, wiegen für die allermeisten Frauen alles auf, was sie vorher erlebten. Das ist meist mit dem „schnell vergessen“ gemeint.

Wehen sind schmerzhaft
Wehen sind schmerzhaft. Eine Selbstverständlichkeit, eine Wahrheit? Auch nicht uneingeschränkt. Wehen können das schmerzhafteste sein, dass eine Frau je erlebt hat. Aber es auch Frauen (und es werden mehr), die eine schmerzlose Geburt erleben.

Wehen sind im Liegen am schlimmsten
Das können Sie problemlos ausprobieren, wenn es soweit ist. Aber hören Sie auf Ihre Hebamme oder Doula, nutzen Sie die Schwerkraft, die Entspannung des Wassers, Bewegung. Denn im Liegen sind Wehen wesentlich schlechter zu ertragen als in anderen Positionen.

Wehen sind orgastisch
Auch das ist möglich. Es gibt (sehr wenige) Frauen, die konnten die Geburt ihres Kindes als orgastisch erleben.

Wehenwahrnehmung
Wie kann all das sein? Warum sind Wehen für die Frauen so unterschiedlich? Vom Schrecklichsten bis zum Orgasmus reicht die Spannbreite. Unvorstellbare Schmerzen, Todesangst, und meditative Zustände ohne Schmerzen sind auf der Skala mit drauf. Warum?
Weil unser Hirn und unsere Hormone mit darüber bestimmen, wie schmerzhaft Schmerz ist. Der Geburtsschmerz ist eine Wahrnehmung und wird von uns unterschiedlich beurteilt. Selbst wenn wir alle das gleich erleben, beurteilen wir es anders, nehmen wir es anders wahr. Durch unsere ganz persönliche Brille. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir sehr unterschiedlich schmerzempfindlich sind. Aber trotzdem lässt es sich nicht so einfach sagen, dass wer schmerzempflindlicher ist, bei der Geburt mehr Probleme hat.
Faktoren, die das Schmerzlevel bei der Geburt mitbestimmen sind tatsächlich Gründe wie Alter, Erwartungen, Kenntnis über den Geburtsvorgang und wie sehr die Frau in der Lage ist, Vertrauen zu empfinden.
Aber die Geburt ist ein sehr komplexer Vorgang und Moment, und Hebammen wissen davon zu berichten, was alles den Verlauf einer Geburt mitbestimmt: So ist einfach das Klima im Raum, die Stimmung der anwesenden Menschen und ihr Verhalten auch etwas, das einen Einfluss auf den Geburtsverlauf hat. Ebenso wie die Gebärende mit dem ganzen Rucksack Ihres Lebens gebiert. Mit all Ihren Ängsten, Anspannungen, Unsicherheiten, Lebensthemen, Fähigkeiten, zu Entspannen, Geburtstraumen in der Familie, Geburtsängsten, alles was sie ausmacht. Und so auch Ihr engster Begleiter. Besonders ins Gewicht fällt bei der Frau übrigens, wenn diese sexuellen Mißbrauch erlebt hat, dann benötigt sie eine besondere Vorbereitung und Offenheit, um die Geburt überhaupt positiv wahrnehmen zu können. All diese Dinge zusammen mit den Erwartungen und dem Wissenstand der Gebärenden und Ihres Partners / Begleiterin und den biologischen und medizinischen Fakten bestimmen den Geburtsverlauf. Deshalb ist es NIEMALs die Schuld der Frau, wenn diese eine schmerzhafte Geburt erlebt. Schuld ist ein völlig falsches Kriterium hierfür, das ist, wie wenn man das Gewicht eines Geburtsvorbereitungskurses in Kg ausrechnet um zu sagen, wie hilfreich er ist.

Die besten Chancen auf eine positive Geburtserfahrung haben Sie, wenn Sie:

  • einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen und sich möglichst mit dem Ablauf der Geburt auseinandersetzen also nicht „naiv“ in die Geburt hineingehen.
  • Wenn Sie irgendwann zu der Überzeugung gelangen, dass Sie das schaffen werden, egal wie es nun genau wird.
  • Wenn Sie selbst Verantwortung übernehmen und die Geburt als aktiven Prozess wahrnehmen, in dem Sie und das Baby die Hauptrolle spielen.
  • Wenn Sie versuchen offen zu bleiben vorher und während der Geburt für das, was die Realität Ihnen bringt. Sie nicht auf Gedeih und Verderb an Ihrer Vorstellung eine guten Geburt hängen, denn das macht die gute Geburt nahezu unmöglich. Sie können die Geburt nicht bestimmen, nicht kontrollieren. Aber sie können offen sein und die positive Geburt erleben auf die Art, wie sie real ist.
  • Wenn Sie entspannen können, Meditation gewöhnt sind, oder Hypnose praktizieren. können Sie eine schmerzfreie Geburt erleben (aber es gibt nie eine Garantie darauf, nur eine Option oder Wahrscheinlichkeit)

Es ist nicht nötig, dass Sie keine Angst vor der Geburt haben. Geburtsängste sind normal. Tatsächlich kann es sogar sein, dass Geburtsängste manchmal eine positive Auswirkung haben, nämlich wenn Sie sich schon frühzeitig damit auseinandersetzen und damit emotional vorbereitet sind.
Geburtsvorbereitung lohnt sich immer. Und am besten findet sie auf allen Ebenen statt: emotional, mental, körperlich.

 

Bild: Wehen (c) Shooting Chris, Flickr

Schwangerschaftbegleiterin. Ich helfe Dir, eine positive, grandiose Schwangerschaft und Geburt zu erleben.

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2 Comments

  1. Anja 1. März 2012 at 07:01 - Reply

    Hallo!

    Danke für den sehr interessanten Artikel.

    Ich hatte immer Angst davor ob ich wohl bemerke wann die Wehen einsetzen und es los geht. Und man kann diese wirklich nicht genau erklären. Aber wenn es so weit ist merkt man es.
    Habe die Wehen anfangs schon als recht schmerzhaft empfunden und es ist dann immer schlimmer geworden. Doch im Nachhinein kommt es mir nicht mal mehr so schlimm vor. Die Geburt war sehr schön für mich.

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