Wochenbettgeschichten und Tipps in der Blogparade

Das Wochenbett ist diese ominöse Zeit nach der Geburt, unter der sich eine Schwangere nichts vorstellen kann :) Aber Spaß beiseite. Normalerweise erscheinen ja hier auf rund-und-gluecklich eher Ratgeberartikel. Das wäre jetzt also gewesen, wie Sie ein schönes Wochenbett erleben können. Aber nicht nur hat das die Hebamme Jana Friedrich schon ganz wunderbar geschrieben – ich bin beim Thema Wochenbett generell etwas stiller. Denn mein Wochenbett habe ich als Desaster empfunden. Und obwohl ich positive Artikel bevorzuge, habe ich mich entschieden, diese  Stimme in den Kanon der Wochenbettgeschichten einfügen – denn nicht jedes Wochenbett ist ein Sonnenscheinerlebnis und wir profitieren alle von authentischen Geschichten: Ich war 2006 nahe an einer Wochenbettdepression entlangeschlittert.
Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade Wochenbett-Tips aus erster Hand – von Mutter zu Mutter auf hebammenblog.de teil.

Mein Wochenbett-Desaster

Denn mein Wochenbett war nicht schön. So empfinde ich es. Ich erlebte ja eine selbstbestimtme schmerzfreie Traumgeburt aber dann… Tja was war dann? Zuerst einmal hat mich das Umsorgen des kleinen Sonnenschein deutlich stark gestresst – denn ich hatte permanent Angst, was falsch zu machen und hatte dieses Druck Gefühl, das Baby für das komplette Leben zu schädigen, wenn es auch nur 30 Sekunden zu lange Weinen würde. Zusätzlich hatte ich noch die wenig hilfreiche Idee, dass gestillte Babies gar nicht weinen. Kein Wunder also, das mir die innere Ruhe und Stärke fehlte und alles anstrengend war. Wobei die erste Woche auch wirklich einfach körperlich anstrengend war. Und genau wie meine Hebamme auch sagte, fühlte sie die ersten Tage das Stillen ein wenig so an als würde die letzte Kraft aus mir herausgesaugt. Das wurde natürlich besser, aber in den ersten Tagen war es sehr Kräfte zehrend.

U2 als Überanstrengung

Da ich im Geburtshaus entbunden hatte, „musste“ ich zur U2 also zu einem Kinderarzt, hormongetränktes müdes Etwas, das ich war (mit noch nicht ganz verheilter Dammriss-Narbe). Das „musste“ ist in Anführungsstrichen, weil ich durchaus nicht gemusst hätte und ja die Hebamme uns besuchte. Aber es fühlte sich wie ein „musste“ an. Eine Kinderärtzin hatte Ferien, so dass der ausgesuchte Arzt extra voll war. Wir haben kein Auto und ich wollte das Taxigeld sparen – was eine blöde Idee war. Ich war schon erledigt als ich dort war. Dann bekam ich Panik wegen all der kranken Kinder beim Kinderarzt und meinem Neugeborenen. Dann war die Arzthelferin überfordert mit dem vollen Wartezimmer und lies mich Wöchnerin mehr als 45 Minuten warten. Danach schrie ich sie glaube ich an und im Untersuchungszimmer weinte ich. Die Untersuchung war läppisch und in meinen Augen unnötig. Ich schleppte mich zum Taxi und nachhause und der Papa telefonierte mit der Hebamme, weil ich Schmerzen bekommen hatte vor Stress und organisierte ein paar Globuli.
„Ich würds gern zurückgeben“
Sonst liest man immer über diese traumhaft romantische Kennenlernzeit. Ja – die Fotos sind süß und ich hatte das süßeste Baby der Welt, aber in Erinnerung sind mir nur die Erschöpfung, Traurigkeit und Überforderung. Nach einer Woche habe ich gesagt „Toll, ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt ein Baby zu haben, jetzt würd´ ich´s gerne zurückgeben und mein Leben wieder haben“. (Das wird verständlicher, wenn man weiß, dass ich nicht bewusst geplant hatte, Mutter zu werden.) Was nicht heißt, dass ich nicht gleichzeitig auch eine überfließende Liebe empfunden habe.
Stress und Bedürfnisse
Dadurch, dass bei uns der Haussegen schief hing und es eben der Anfang der Trennung vom Kindsvater war, war die Wochenbettzeit exrem anstrengend (und das ist noch eine Untertreibung). So sehr, dass mir die Worte zur Beschreibung fehlen.

Ich habe es im Wochenbett nicht geschafft, gut auf mich zu achten. Ich erfüllte alle Bedürfnisse meines Lieblings, die mir bewusst waren und zwar sofort – aber meine Bedürfnisse habe ich immer mit großer Verspätung wahrgenommen. Ich bin voll in die Aufopferungsschiene hinein geraten.
Das einzige meiner Bedürfnisse, das ich gut wahrnehmen konnte, war der Wunsch, umsorgt zu werden. Ich musste mich also von meinen eigenen Zukunftswünschen und Vorstellungen, wie es sein sollte, abnabeln. Das Umsorgt werden ist gerade in dem Wochenbett denke ich, ein Grundbedürfnis der Mutter, die so viel gibt und dann ist es doppelt schmerzhaft, es nicht zu erhalten – und vor allem, wenn man damit gerechnet hatte.

Außerdem hatte ich das Gefühl, mich selbst zu verlieren. 24 Stunden am Tag  für das Neugeborene da zu sein ist alles andere als einfach. Weshalb Wöchnerinnen wirklich Unterstützung brauchen. Die Haushaltshilfe, die kam, hat mich allerdings mehr gestresst als geholfen, aber als ich dann es mal geschafft hatte, mich zu trauen, meiner Schwiegermutter zu kommunizieren, dass ich Hilfe brauche, wurde sie mein rettender Engel. Ich hatte großes Glück, an der Wochenbettdepression nur entlanggeschlittert zu sein und schließlich doch Kurve bekommen zu haben. Vielleicht auch, weil ich Wut und Ärger entwickelte und einen „Schuldigen“ ausmachte. Nach fünf Wochen war die  erste Anpassungsphase war vorüber (fast nach Lehrbuch), ich konnte außerdem mit der Kleinen zum Yoga gehen – unter Menschen. Danach ging es aufwärts und ich grenzte mich zusehends innerlich mehr ab von dem Vater, was mir etwas Kraft zurück gab mir half der Depression durch aktiv werden (Haus verlassen) und „sauer sein“ statt Traurigkeit zu entgehen. An dieser Stelle sei gesagt, dass der Vater sich heute sehr liebevoll um das ehemalige Baby kümmert und auch damals für das Baby da war.
Was ich machen würde, wenn ich noch ein Wochenbett erleben würde
Ich habe schon lange überlegt, was ich heute anders machen würde.
  1. Einen Essenslieferdienst beauftragen. Denn ich hatte tatsächlich die (irrationale) Angst zu verhungern. Was sehr gut auf den Punkt bringt, wie sehr ich die Fähigkeit für mich selbst zu sorgen, psychisch kurzzeitig verloren hatte. Heute wäre ich selbstverständlich in der Lage mir auch mit Neugeborenem was zu Essen zu machen oder was zu bestellen – aber damals fühlte ich mich zu erschöpft und wie gelähmt und irgendwie hatte ich wohl meine Eigenverantwortung abgegeben im Ausgleich dafür, für jemand anders zu sorgen. Ich hatte die Zeit gebraucht, um  zu verstehen und auch so zu agieren, dass ich für zwei Menschen die Verantwortung trage für mich und das Baby in dieser Reihenfolge. Bei diesem Thema – der Reihenfolge – lerne ich heute noch dazu.
  2. Ich würde mir außerdem gleich die Einkäufe auch noch liefern lassen, um nicht von Freunden oder Verwandten abhängig zu sein.
  3. Ich mir heute vorher überlegen  wie ich gut für mich sorgen kann in so einer Extremsituation. Ich würde mir zum Beispiel auch das ein oder andere Buch und Hörbuch besorgen, was Feines zur Körperpflege und würde schauen, dass ich möglichst täglich zu meiner „me“-Zeit mit Meditation komme – gut, außer in den ersten 1-2 Wochen, da ist es nun wirklich unrealistisch, wenn jemand so viel Schlaf braucht wie ich.
  4. Und ich würde mir überlegen, wer regelmäßig mal ein zwei Stunden helfen kann, auf das süße Menschlein aufzupassen, damit ich auch mal die Wohnung verlassen kann – bzw. alleine sein kann.
  5. Ich würde drauf achten, dass es einen Erwachsenen gibt, mit dem ich über mein Erleben und meine Gefühle reden kann. Wenn niemand verfügbar ist, oder ich mir Sorgen mache, ob die Person das auch möchte, dann würde ich heute jemand Professionelles dafür nehmen.

 

Mein Fazit:
Hätte ich mir z.B. vor der Geburt klar gemacht, dass ich das Wochenbett alleine stemme, wäre auch mein Wochenbett sicherlich gleich anders verlaufen. Aber die Themen, die mein Wochenbett so gestaltet haben, waren nötig – ohne sie zu bearbeiten wäre es nicht gegangen. Aber mit weniger verklärten Vorstellungen hätte ich mir selbst einen ganz guten Dienst erwiesen.

 

Aber nur keine Panik, denn es geht auch ganz anders, wie nicht nur Blogparade Beiträge zeigen. Meine Freundin zum Beispiel hatte zahlreiche Warnungen bezüglich Schlafmangel und Anstrengungen des Wochenbetts erlebt und hatte eine sehr gemütliche Sofazeit mit Ihrem Liebling – auch wenn Sie froh war, als nicht mehr Ihr Göttergatte kochte.

 

Andere Wochenbetterfahrungen sind hier in der Blogparade zu lesen – für ein tolles vielseitiges Bild auf das Wochenbett: Zu den Blogparade-Beiträgen auf dem Hebammenblog.de
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4 Comments

  1. […] Wochenbettgeschichten und Tipps in der Blogparade von Nora Amala Bugdoll Darum geht’s: Ein anstrengendes krisengeprägtes Wochenbett und was ich heute anders machen würde. Über mich: Ich werde dieses Jahr 40 (kann es selbst noch nicht fassen *g) und lebe kreativ mit meiner Tochter im Grundschulalter in einer grünen Ecke Berlins. Ich bin Schwangerschaftscoach und helfe eine erfüllte, bewusste Schwangerschaft und Geburt zu erleben und Angst zu vertreiben […]

  2. Juliane 12. März 2014 at 09:48 - Reply

    Vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht!Mir erging es vor 10 Monaten ähnlich. Vollständige Aufopferung (was teilweise noch so ist ;-) ) und 24h Dienst, die Angst etwas falsch zu machen, den haushalt liegen zu lassen… Hätte ich meine liebevolle Hebamme nicht gehabt, wäre ich auch nicht nur an einer Wochenbettdepression „vorbeigeschlkittert“, obwohl es sich bei mir doch bis in den 6ten Lebensmonat meiner süßen Zauberfee zog… Ich finde es wichtig auch aufzuzeigen, dass nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen sein kann.

    • Nora Amala Bugdoll 12. März 2014 at 10:11 - Reply

      Danke Juliane. Ja ich finde auch, wenn man die Vielfalt der Wochenbetterfahrungen liest – und das Wochenbett ist einfach nicht einfach mit dem Setting der extremen Hormonschwankungen und dem Versorgen bei gleichzeitigem Kraftsammeln – dann kann man auch ganz gut im Vorfeld sehen, was wichtig ist. Juliane: Bei mir auch – das ganze erste Lebensjahr war sehr holprig bei uns, Meine Tochter hatte Viermonatskoliken und einige weitere Herausforderungen (Kind krabbelte nicht) verlangten alles von mir und noch mehr- mit 13 Monaten hatte ich das erste Mal das Gefühl eine kompetente Mutter zu sein. Was gleichbedeutend mit ein bisschen innerer Ruhe war.

  3. Jana 13. März 2014 at 10:50 - Reply

    Liebe Nora,

    vielen Dank für Deinen sehr persönlichen Beitrag. Klasse, dass Du auch so offen von der Schattenseite Deines Wochenbetts berichtest. Es gab einige wertschätzende Kommentare dazu auf Facebook.

    Zum Thema Wochenbettdepressionen habe ich heute einen passenden Artikel veröffentlicht: http://www.hebammenblog.de/wochenbettdepression-experteninterview-mit-psychiaterin/

    Liebe Grüße,

    Jana

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